KOR-Regelung 2026: Für wen, Vorteile und Fallstricke
Die Kleinunternehmerregelung scheint einfach — keine USt. berechnen, keine Anmeldung. Aber sie kostet dir die USt.-Vorabzug auf deine Einkäufe. Wann ist es wirklich vorteilhaft?
Die Kleinunternehmerregelung (KOR) ist die USt.-Befreiung für Unternehmer mit niedrigem Umsatz. Wenn du dich anmeldest, berechnest du keine USt. mehr an deine Kunden und machst keine USt.-Anmeldung. Klingt großartig — aber es gibt einen Haken.
Für wen ist die KOR geeignet?
Du kannst dich für die KOR anmelden, wenn:
- Du in Deutschland ansässig bist
- Dein erwarteter Umsatz unter €20.000 pro Kalenderjahr bleibt
- Du nicht bereits USt. auf große Investitionen abgezogen hast, die du noch innerhalb des Überprüfungszeitraums getätigt hast (5 Jahre für Betriebsvermögen, 10 Jahre für Grundstücke)
Du meldest dich über das Portal des Finanzamts an. Einmal angemeldet bist du mindestens 3 Jahre an die Regelung gebunden — das ist ein wichtiger Fallstrick.
Der große Vorteil: einfach und günstiger für den Kunden
Für Verbraucher (B2C) ist die KOR ein großer Vorteil: Deine Rechnung ist 21% günstiger als die gleiche Rechnung eines Konkurrenten ohne KOR. Bist du Personaltrainer, Friseur, Schönheitsspezialist mit privaten Kunden? Dann kannst du relativ günstiger sein, ohne selbst weniger zu verdienen.
Der große Fallstrick: keine Vorabzüge
Als KOR-Unternehmer darfst du keine USt. mehr auf deine geschäftlichen Einkäufe abziehen. Das ist der Preis, den du zahlst. Für manche Branchen ist das akzeptabel; für andere ist es ein Desaster.
Ein Rechenbeispiel:
- Freiberuflicher Fotograf kauft jährlich für €5.000 an Kameraausrüstung + €2.000 an Software/Abos
- Ohne KOR: zieht €1.470 USt. auf diese Einkäufe ab
- Mit KOR: diese €1.470 sind weg
Bist du knapp unter der €20k Umsatzgrenze, wirst du diesen Verlust wahrscheinlich nicht durch USt.-freie Rechnungen ausgleichen.
Für wen ist die KOR wirklich vorteilhaft?
- Übergang vom Hobby zum Unternehmen. Du testest den Markt, hast noch wenige geschäftliche Kosten.
- Dienstleistungen mit wenigen Einkäufen. Nachhilfe geben, Coaching, Journalismus, Übersetzungsarbeiten.
- Rein B2C. Deine Kunden können USt. ohnehin nicht zurückfordern, also sehen sie deinen niedrigeren Preis als reinen Gewinn.
Für wen ist die KOR eine schlechte Wahl?
- B2B-Unternehmer. Geschäftskunden kümmern sich nicht um USt. (bekommen sie ohnehin zurück). Dein "Vorteil" ist für sie unsichtbar.
- Hohe Einkaufskosten. Online-Shop, Agentur mit Software-Stack, Fotograf mit teurer Ausrüstung.
- Erwartetes Wachstum. Über €20k musst du zurück zur regulären Besteuerung — zusätzlicher administrativer Aufwand.
Die €20.000-Grenze: Achte auf Überschreitungen
Überschreitest du im Laufe des Jahres die €20k? Dann verfällt die KOR sofort, und du musst ab dieser Transaktion wieder USt. berechnen. Das bedeutet: laufende Kunden ein Berichtigungsschreiben schicken + Umstellung deines Fakturierungssystems. Das ist viel Arbeit, also überwache deinen Umsatz monatlich.
Du bist dir unsicher, ob die KOR für dich vorteilhaft ist? Berechne vorher deine erwarteten Vorabzüge für ein Jahr — wenn diese höher als ~€2.000 sind, denk gut nach, bevor du dich anmeldest.
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